Mit freundlicher Unterstützung von

Familienbetrieb seit 1902 · Goldschmiedemeister & Juwelier

Brunowstraße 51 · Berlin-Tegel · Tel. 030 4335011
www.goldschmiede-denner.de

Mo-Fr 9:30 – 18:00 Uhr · Uhrmacher Di & Fr

Verschwundenes Tegeler Mahnmal

Zu diesem Mahnmal für Opfer des Faschismus, auf dem Namen von Tegeler Bürgern stehen, sucht Carolin Mueller von der AG Stolpersteine Reinickendorf nach Informationen und Erinnerungen (siehe Abbildung). Auf dem Mahnmal ist auch der Name Selma Kirschner aufgeführt. Mueller recherchiert derzeit über das Leben dieser Frau, die im Jahr 1941 mit nur 19 Jahren in Auschwitz ermordet worden ist. Die Kopie des Fotos stammt aus den Unterlagen von Selma Kirschners Tochter. Noch für dieses Jahr ist die Verlegung eines Stolpersteins für Selma Kirschner an ihrem letzten frei gewählten Wohnort in der Freien Scholle geplant.

Der Geschichtswerkstatt Tegel ist bereits die Lokalisierung des Mahnmals gelungen. Es stand ungefähr in der Mitte der Straße Alt-Tegel, wo sie auf die Berliner Straße trifft. Im Hintergrund des Fotos ist das ehemalige Kepa-Kaufhaus zu erkennen. Das Mahnmal listet unter den von den Nationalsozialisten umgebrachten Mitbürgerinnen und Mitbürgern auch Gerhart Lesser auf. Gerhart Lesser hatte sich mit seiner Frau Gerda Lesser zeitweise auf Reiswerder verstecken können, bevor beide mit den anderen drei auf Reiswerder Untergetauchten von der Gestapo festgenommen und in KZs verschleppt wurden.

Wir fragen: Wer erinnert sich an das Mahnmal? Wann wurde es abgerissen und warum? Wer weiß vielleicht mehr über die auf dem Mahnmal erwähnten Tegeler? Antworten bitte an: havelbruegge(et)posteo.de (für „et“ bitte @ einsetzen, Spam-Schutz).

Informationen über die Arbeit des Projekts Stolpersteine in Berlin: www.stolpersteine-berlin.de

TEGEL – Geschichte eines Reinickendorfer Ortsteils
Band 1 + Band 2

Beide Bücher kosten im Paket (Band 1 und 2) zusammen 30.- €

Erhältlich in der
Goldschmiede Denner
Brunowstraße 51
Tel. 030 – 4335011

K. Schlickeisers neues Tegel-Buch

Besprechung

Es ist ein großes Verdienst des Förderkreises für Bildung, Kultur und internationale Beziehungen Reinickendorf e. V., für die Chronik des Bezirks Reinickendorf auf der Ebene der Ortsteile zu sorgen. Nun liegt ein entsprechender Band auch für Tegel vor – großformatig und schwergewichtig, vor allem aber wie immer umfangreich, materialreich und akribisch recherchiert von Klaus Schlickeiser. Wer sich mit Tegels Geschichte intensiver beschäftigen möchte, wird in Zukunft auf dieses Buch zurückgreifen können, ja müssen.

Den letzten Versuch gleichen Anspruchs vollendete August Wietholz vor knapp 100 Jahren mit seinem Werk „Geschichte des Dorfes und Schlosses Tegel“. Auch Klaus Schlickeiser stützt sich auf diese Vorarbeit von August Wietholz. Die mittelalterlichen Quellen musste er nicht noch einmal abdrucken. Und auf die deutschnationale Hetze des August Wietholz können wir heute getrost verzichten. Vor 14 Jahren hatte Klaus Schlickeiser seine „Spaziergänge in Tegel“ veröffentlicht. Sie waren für alle unentbehrlich, die sich historisch in Tegel orientieren wollten.

Die größte Stärke des neuen Tegel-Buches ist die Materialfülle, was einzelne Viertel, Straßen und Häuser angeht. Wer macht sich schon die Mühe, Bauakten, Grundbücher und Archive zu durchstöbern und systematisch auszuwerten?

Klaus Schlickeiser hat auch das vorhandene Material zu den bislang gemiedenen Themen Arbeiterbewegung, jüdisches Leben und Verfolgung von Juden, Nationalsozialismus und Widerstand, sowie die Rolle der nationalsozialistischen Deutschen Christen in Tegel zusammengetragen. Allein der Zeit des Nationalsozialismus hat er 25 von 83 Seiten des geschichtlichen Überblicks gewidmet, der unmittelbaren Nachkriegszeit noch einmal 13 Seiten.

Den Kern des Buches bildet das erste Kapitel „Die Vergangenheit Tegels im Überblick“, das leider im Jahr 1948 endet. Jedoch sind den großen Zeitabschnitten und der neueren Zeit kurze Abschnitte angefügt, die summarisch einzelne wichtige Ereignisse ergänzen.

Es folgen die Darstellung der drei ältesten Straßen Tegels – ein wichtiger Beitrag für das Verständnis der Entwicklung Tegels vom Dorf zur Vorortgemeinde Berlins – und die Darstellung der verschiedenen Teile Tegels, darunter Tegel-Süd, Neu-Tegel und der Bereich südlich des alten Dorfkerns. Hier kann Klaus Schlickeiser seine Stärke voll ausspielen: die genaue Kenntnis der Architekten einzelner Gebäude, der Eigentümer in ihrer Abfolge und der baulichen Veränderungen über Jahrzehnte hinweg.

Die nächsten Kapitel lehnen sich in ihrer Gliederung an August Wietholz an: Gut und Schloss Tegel, Kirchen, Schulen, Verwaltungseinrichtungen und Soziales. Auch hier ist vieles zu finden, was bislang kaum bekannt oder verfügbar war.

Der zweite Band trägt noch stärker den Charakter eines unentbehrlichen Nachschlagewerkes, einer detaillierten Materialsammlung zu den Themen wie öffentliche Infrastruktur, Gewässer, Wälder, Grünflächen, Gewerbe samt Industrie und Einzelhandel, Dienstleistungen, Gaststätten, Denkmäler, Vereinswesen, Verkehr, Veranstaltungen und schließlich Persönlichkeiten in Tegel. Mitglieder der „Narrengilde Berlin e. V.“ und des „Deutschen Amateur-Radio-Club e. V.“ werden sich freuen, dass ihre Vereine Erwähnung finden – wie viele andere.

Immer wieder stößt man bei der Lektüre auf Begriffe wie „einstige Schule“ oder „ehemalige Straße“. Klaus Schlickeiser hebt heute nicht mehr sichtbare Orte und Gebäude ins Bewusstsein; so vervollständigt er das Bild vergangener Zeiten in Tegel. Wer weiß denn noch, wo früher der Packereigraben floss, der Königsweg seinen weiteren Verlauf nahm oder Dr. Emil Jacobsen, genannt Dr. Havelmüller oder Hunold Müller von der Havel, sein erstes Sommerhaus in Tegel errichtet hatte? Klaus Schlickeiser markiert auf einer alten Karte deren Standort. Auch die oft komplizierte Änderung von Wegführungen zeichnet er anschaulich nach, zum Beispiel bei den heutigen Straßen Karolinenstraße, Waidmannsluster Damm, Wilhelm-Blume-Allee, Schlossstraße.

Verdient gemacht haben sich Autor und Herausgeber auch durch die sorgfältige Auswahl der fast 1.000 Abbildungen: Diese verleihen dem Werk auch dort Anschaulichkeit, wo es sich ein wenig spröde oder trocken liest. Besonders die zahlreichen Fotos im Krieg zerbombter Häuser beeindrucken. Sie stammen überwiegend von Otto Bitter (1893-1975). Klaus Schlickeiser erhielt sie ohne konkrete Angaben; er konnte zu fast allen Bitter-Fotos Straße und Hausnummer ermitteln.

Man mag es für einen Nachteil halten, wenn ein so wichtiges Buch ohne Internet-Recherche entstanden ist (siehe Literaturverzeichnis). Umso mehr lässt das Ergebnis Leserinnen und Leser staunen.

Für die zweite Auflage wäre ein Stichwortverzeichnis wünschenswert, da es die Arbeit mit dem Werk erleichtert.

Klaus Schlickeiser hat sich mit seinem enzyklopädischen Wissen und seinen Büchern nun auch in die Geschichte Tegels eingeschrieben.

Klaus Schlickeiser: Tegel – Geschichte von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert, Band 1 und 2. Hg.: Förderkreis für Bildung, Kultur und internationale Beziehungen Reinickendorf e. V., Berlin 2019 – ISBN 978-3-927611-40-5. Preis: 30,00 Euro. Format DIN A 4, 307 bzw. 338 Seiten. Erhältlich im Buchhandel und in der Goldschmiede Denner.

Meinhard Schröder

Tegel vor 100 Jahren

zusammengestellt von Gerhard Völzmann

Tegeler Ansichten

Heinz Sterzenbach ist bekannt für seine Berliner Stadtansichten aus fast allen Berliner Bezirken (Radierungen, Aquarelle und Oelbilder). Der Künstler lebt und arbeitet in Tegel-Süd. Bilder sind auch in seinem Online-Shop www.sterzenbach.de oder per Mail zu bestellen: galerie@sterzenbach.de