Das Humboldtschloss

Das Gut »Schlößchen Tegel«, wie es seit dem 18. Jahrhundert hieß, geht wahrscheinlich auf einen schon vor 1500 nahe der Tegeler Wassermühle errichteten kleinen Wirtschaftshof zurück, der zum ritterlichen Gutshof in Heiligensee gehörte und 1544 von Kurfürst Joachim II. erworben wurde. Dieser vergab den Wirtschaftshof an seinen Sekretär Hans Bredtschneider für geleistete Dienste. Entweder bereits der Kurfürst oder jedenfalls Bredtschneider ließ auf dem Hof ein Herrenhaus erbauen, das im Vorderteil (Ostseite) des heutigen Schlosses noch erhalten ist und durch die beiden Runderker im Obergeschoss auffällt. Die ebenfalls erhaltenen Kellergewölbe dienten als Weinkeller des damals als Weingut bewirtschafteten Guts. Die 1591 erstmals erwähnten Weinberge – die heute bewaldeten Sandhügel am Schloss – lieferten jährlich an die 40 Tonnen sauren Tafelwein.
Möglicherweise zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges bis 1648 entstand der links an die Vorderseite des Herrenhauses angefügte Turmbau, an den der Gutsbesitzer Zacharias Friedrich von Götze nach 1660 ein im rechten Winkel anschließendes Wohnhaus anbauen ließ.
Das Gut war schwer zu bewirtschaften, weil ihm keine zur Dienstleistung verpflichteten Bauern unterstanden, so dass der Gutsbesitzer alle Arbeitskräfte frei anwerben und mit dem vollen üblichen Lohn bezahlen musste.
Die Einkünfte kamen im Wesentlichen aus der mit dem Gut verbundenen Tegeler Wassermühle, in der die Bauern der umliegenden Dörfer ihr Getreide mahlen lassen mussten. Außerdem wurden in dem Holzschneidewerk der Mühle gegen Entgelt Balken für die Bauwirtschaft geschnitten. Das kleine Gutsland umfasste nur 250 Morgen Ackerland, über das heute die Gabrielenstraße und ihre Nebenstraßen verlaufen, ferner einige Wiesen am Fließ und an der Malche, schließlich ein Kiefernwäldchen.
1752 vergab König Friedrich der Große das Gut – ohne die Mühle – an den Kammerdiener Möhring in Erbpacht mit der Aufl age, auf dem sandigen Boden 10 000 Maulbeerbäume zu pfl anzen, um die inländische Seidenstoff herstellung zu fördern. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb 1764 Friedrich Ernst von Holwede das Gut, dessen Witwe 1766 den Kammerherrn Alexander Georg von Humboldt aus Pommern heiratete. Dieser vergrößerte das Gut durch Erwerb zusätzlichen Landes und der Tegeler Wassermühle. Nach seinem Tod 1779 erbten seine minderjährigen Söhne Wilhelm und Alexander das Gut, das bis 1797 von der Witwe verwaltet wurde. Gemäß der Erbteilungsvereinbarung von 1802 ging das Gut einschließlich der Mühle in den Alleinbesitz von Wilhelm von Humboldt über, der seinen Bruder Alexander mit 22 000 Talern auszahlte. Wilhelm von Humboldt befreite sich 1803 durch Zahlung von 500 Talern an die Staatskasse von der Pflicht zur Pfl anzung der Maulbeerbäume, die auf dem Sand nur schlecht gediehen. 1812 löste er den Erbbauzins durch eine Einmalzahlung von 5530 Talern ab und erlangte das freie Eigentum am Gutsland anstelle des bisherigen Erbpachtrechts. 1822 wurde dem Gut die Rittergutseigenschaft zuerkannt. In den Jahren 1822 bis 1824 ließ Wilhelm von Humboldt das alte Herrenhaus nach Entwurf von Schinkel in das heutige Schloss Tegel umbauen. An den vier gleichartigen Türmen – in dem einen steckt noch der alte Turmbau – wurden Reliefs nach dem Vorbild des Athener »Turmes der Winde« nach Entwurf des Bildhauers Rauch angebracht. Die neue, zum Schlosspark gelegene Westfassade wurde klassizistisch gestaltet. In den neu geschaffenen großzügigen Räumen wurde Humboldts Sammlung von antiken Marmorbildwerken und Abgüssen antiker Statuen aufgestellt. In dieser Form ist das Gebäude bis heute erhalten.

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