Der Paragraf 175

Der § 175 existierte im Reichsstrafgesetzbuch (RStGB) und später im Deutschen Strafgesetzbuch (StGB) von 1872 bis zum 11. Juni 1994, in der DDR bis zum Ende der 1950er Jahre. Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe.
Im Nationalsozialismus wurde die bestehende gesetzliche Verfolgung von Homosexuellen ab 1935 verschärft. Homosexualität wurde „nicht länger nur als Verstoß gegen Strafgesetze verfolgt, sondern als eine existentielle Bedrohung für die national-sozialistische Volksgemeinschaft wahrgenommen.
Es war fortan nicht mehr das Ziel, Verbrecher zu bestrafen, sondern Volksschädlinge zu vernichten.“1 Ab 1937 mussten Homosexuelle damit rechnen, nach der Verbüßung ihrer Strafe in ein Konzentrationslager deportiert zu werden. Wer „mehr als einen Partner verführt habe“, so eine Anordnung Himmlers 1940, sei nach der Entlassung aus dem Gefängnis grundsätzlich in „Vorbeugehaft“ zu nehmen. Auf Grund ihrer Homosexualität konnten Verurteilte einer Haft oder einer Einweisung in ein Konzentrationslager angeblich entgehen, indem sie einer Kastration zustimmten. In den Konzentrationslagern wurden verurteilte Homosexuelle i.d.R. unter der Häftlingskategorie BV/175 geführt und trugen den rosa Winkel.
Nach dem Krieg zahlten die Wiedergutmachungsämter keine Entschädigung an auf Grund von Homosexualität in Konzentrationslagern Gefangene.
Am 22. Juli 2017 trat das „Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilten Personen (StrRehaHomG)“ in Kraft. Mit diesem Gesetz werden alle Urteile, die aufgrund der §§ 175 und 175a StGB und des § 151 des Strafgesetzbuches der Deutschen Demokratischen Republik gefällt wurden, aufgehoben. Den noch lebenden Rehabilitierten steht auf Antrag eine Entschädigung zu. Die während des Nationalsozialismus verurteilten Männer sind somit von dieser Regelung ausgeschlossen.

Quellen:
de.wikipedia.org
www.stolpersteine-berlin.de
Stolpersteine in Berlin. Pädagogisches Begleitmaterial. Berlin 2015
1 Sören Schneider: Homosexuellenverfolgung in Berlin, in: Stolpersteine in Berlin;
Pädagogisches Begleitmaterial; Berlin 2015

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