Geheimrat und Oberforstmeister von Burgsdorfs Leben und Wirken in Tegel

„Tegel, Dorf 1 ½ Meilen von Berlin, im Niederbarnimschen Kreise, an der Landstraße nach Hamburg, mit 22 Feuerstellen und 124 Menschen. In dem hiesigen Forstreviere sind sehr viele fremde Holzarten von dem bekannten Forstrathe von Burgsdorf angelegt worden. Dabey ist ein Landhaus, das Schlößchen genannt, mit 7 Feuerstellen und 95 Menschen“.

Bereits vier Jahre nach seinem Tod fand der Name von Burgsdorf Aufnahme in ein Berlin-Lexikon der Gebrüder Gädicke aus dem Jahre 1806. In heutiger Zeit ist der einstige Geheimrat und Oberforstmeister wohl selbst an einer Stätte seines Wirkens, in Tegel, kaum noch bekannt. Allerdings erinnern im Jagen 92 (nahe Mühlenweg) des Tegeler Forstes der höchste Baum Berlins, eine Lärche, sowie am Schwarzen Weg in Höhe der Halbinsel Reiherwerder ein Findling mit Inschrift an Friedrich August Ludwig von Burgsdorf. Der Lebensweg des Mannes, der erheblich zur Entwicklung der Forstwirtschaft in Preußen beitrug, soll in diesem Beitrag beschrieben werden.

Von Burgsdorf erblickte am 23.3.1747 in Leipzig das Licht der Welt. Sein Vater Gottlieb war Oberjägermeister zu Altenburg und besaß mehrere Rittergüter. Er starb bereits, als der Sohn gerade 7 Jahre alt war. Zur besseren Erziehung des Kindes zog die Mutter daraufhin nach Gotha. Friedrich August Ludwig war bereits von der Geburt an als Domherr in Naumburg bestimmt und eingeschrieben, sollte daher studieren und auf Reisen gehen. Doch während des 7-jährigen Krieges trat der Jugendliche mit 14 Jahren in französische Kriegsdienste, zeichnete sich hier aus, wurde aber verwundet und zurückgerufen. Drei Jahre Schulausbildung sollten nun künftige Studien vorbereiten. Doch von Burgsdorf floh zu seiner Schwester. Unter Verzicht auf den Domherrn verschrieb er sich dem Studieren und Jagen. Nun ging die Mutter auf das Denken des Sohnes ein und vermittelte ihm ab 1.2.1762 in Georgenthal/Thüringer Wald beim Förster Schramm eine Lehre in der Forst- und Jagdkunde. Gründliche und praktische Kenntnisse wurden durch Forstgeometrie und Naturgeschichte vervollständigt.

BurgsdorfIm April 1764 erkrankte von Burgsdorf an den Pocken. Im Winter dieses Jahres trat er am Hof zu Gotha einen Pagendienst an und wurde bald ältester Jagd- und Leibpage. Doch 1767 wurde ein anderer Page befördert. Der junge von Burgsdorf war verstimmt, nahm unbestimmten Urlaub und trat Reisen ins Ausland an. Wieder zurückgekehrt, erwarb er das Patent eines Gothaischen Hof- und Jagdjunkers. Bei einem Aufenthalt in Küstrin lernte er Friederike Sophie Grünrade kennen, mit der er sich verlobte. Doch noch immer fehlte eine Anstellung im Staatsdienst. So wandte sich von Burgsdorf unmittelbar an König Friedrich II., der ihn an den Obristen von Anhalt verwies. Dieser stellte seine vorzüglichen Kenntnisse fest und empfahl eine Anstellung bei Vakanz einer Stelle. Immer wieder wurden Bewerbungen abschlägig beschieden, weil zunächst freie Stellen bereits besetzt waren.

Am 25.6.1773 heiratete von Burgsdorf und erwarb das Gut Schaumburg/Oder. Später machte ihn sein Freund, der Kammerherr von Humboldt zu Gut Tegel aufmerksam, dass ein begüterter invalider Hauptmann von Ziegenhorn die Mittel- und Uckermärkische Forstratsstelle „mit nicht geringer Last“ bekleidet. Mit diesem wurde sich von Burgsdorf einig, gegen einen Abstand von 3500 Talern und Zusicherung einer jährlichen Pension von 500 Talern den Posten ab Winter 1777/78 zu übernehmen. Seine Majestät der König gewährte hierfür sogar Chargen- und Stempelgebührenfreiheit.

Nach fast 9 Jahren hatte von Burgsdorf sich damit eine Anstellung sowohl als Forstrat und Rechnungsführer von 14 Mittel- und Uckermärkischen Forstämtern wie auch als Oberförster des Heiligenseeschen Reviers, Forstamt Mühlenbeck, teuer erkauft.

Von Burgsdorf, jetzt in der Oberförsterei im Dorf Tegel wohnend, verkaufte der Entfernung wegen sein Gut Schaumburg. In Tegel legte er eine Nadelholzsamen-Darre an und ersann Hilfsmittel zur Bestimmung von Höhe und Stärke von Nutz- und Bauhölzern. Sein Handeln und seine Aufsätze machten ihn bekannter, so dass er am 11.6.1782 von der Gesellschaft Naturforschender Freunde als Mitglied aufgenommen wurde.

Mit Beifall wurde 1783 der erste Teil des „Versuchs einer vollständigen Geschichte vorzüglicher Holzarten“ mit 27 Kupferstichen aufgenommen. Die Zeichnungen hatte von Burgsdorf selbst gefertigt. Der Herausgabe folgte sogleich ein Auftrag, „übelbewirtschaftete“ Wälder der Kurmark zu bereisen und Abhilfe vorzuschlagen. Die Anschlagsumme von 458000 Talern bewilligte König Friedrich sofort.

Burgsdorf2Im Tegeler Forst hatte von Burgsdorf 1784-86 ein Lärchen-Kamp angelegt. Ein Magdeburger Morgen (ca. 2552 m2) kostete im Anbau über 30 Taler. Auch Eichen, Rüstern und Akazien wurden am Tegeler See und an der Straße nach Hamburg gepflanzt. Zudem gab von Burgsdorf jungen Forstleuten jeden Standes unentgeltlich Unterricht. Am 31.8.1784 starb kurz nach der Geburt des achten Kindes die Ehefrau. Am 19.1.1785 heiratete er die Schwägerin.

In den Folgejahren wurde von Burgsdorf durch Mitgliedschaft in weiteren Gesellschaften und Sozietäten geehrt. Der damalige Kronprinz, überzeugt von der Unwissenheit der im Jagd- und Forstwesen Tätigen, beauftragte den Obristen von Stein sowie von Burgsdorf, einen Plan für eine Forstakademie zu entwerfen. Tegel war zum Sitz und von Burgsdorf als Direktor der Anstalt vorgesehen. 1786 wurde dann zu Tegel bei Berlin „mit Königl. Vorbewußt und Genehmigung“ ein Holzsamen-Institut eingerichtet. En gros und en detail wurden nordamerikanische Holzsamen unter „richtigster“ Benennung sowie alle deutschen Forst- und Fruchtbaumsamen geliefert.

So kosteten „á Pfund 16 Gr. in Louis d´or zu 5 Rthlr.“ z. B. die schwarze runde Wallnuss oder die „virginische“ Traubenkirsche. Billiger war mit „á Pfund 1 Rthlr. 8 Gr. zuzüglich Fracht ab Tegel der rotblühende Ahorn.

Fast berühmt wurden „einförmige Holzsamenkisten“ mit 100 Sorten Inhalt. Sie kosteten 2 ½ Louis d´or. Ein dankbarer Käufer berichtete am 7.5.1787 im Hannoverischen Magazin, dass er bereits am 3.4. d. J. die Kiste erhielt mit „achtzigerlei Saamen und zwanzigerlei Stecklinge von Sorten, die sich durch Saamen nicht leicht fortpflanzen lassen“. Die Stecklinge blieben durch angefeuchtetes Moos frisch. Den Kisten wurden noch gratis Anleitungen zur sicheren „Erziehung“ und zweckmäßigen Anpflanzung der Holzarten beigefügt. In Nordamerika war extra ein „Sammlungs- und Speditionskomtoir mit den nöthigen Offizianten und geschickten Gehülfen“ eingerichtet. 1787 hatte von Burgsdorf in diesem Zusammenhang auf eigene Kosten den von ihm unterrichteten Jäger Rommels aus dem Gothaischen nach Nordamerika geschickt.

LärcheIndes wurde von Burgsdorf nach dem Tod Friedrichs II. Ende 1786 zwar Geheimer Forstrat, doch Graf von Arnim hintertrieb die Einrichtung einer Forstakademie in Tegel.
Auf speziellen Befehl verfasste von Burgsdorf ein Forsthandbuch, ein „Allgemeiner theoretisch-praktischer Lehrbegriff sämtlicher Försterwissenschaften; auf Seiner Königlichen Majestät von Preussen allerhöchsten Befehl“. Es war „Den Allerdurchlauchtigsten, Durchlauchtigsten auch Hochwürdigsten und Erlauchten Regenten des Deutschen Reiches; den Vätern des Vaterlandes zugeeignet: und Ihren Finanz-Direktionen gewidmet von einem deutschen Manne, vom Verfasser“. Das Buch diente den Forstbediensteten als Leitfaden; sie wurden nun durch von Burgsdorf selbst unterrichtet. Dafür erhielt er jährlich 500 Taler zusätzlich.

Ab 1.10.1789 wurde von Burgsdorf zum Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin berufen. Er erhielt ein Gehalt, das schon bald erhöht wurde, sowie nun auch die Anwartschaft auf die Stelle seines ihm bisher vorgesetzten Oberforstmeisters von Schönfeld zugesprochen. Jetzt arbeitete er 4 Tage in Berlin, so dass er ganz dort wohnte. Die Oberförstergeschäfte  und die Baumzucht in Tegel erledigte fortan einer seiner Zöglinge.

Am 3.10.1791 beschenkte ihn Seine Majestät mit der evangelischen Präbende (lateinisch; Pfründe) im hohen Domkapitel zu Minden mit der Erlaubnis, diese „zu resigniren“ (aufzugeben). Dies tat von Burgsdorf, durfte aber den erhaltenen Orden weiter tragen. Eine besondere Ehre war es, als er am 5.1.1792 zum Mitglied der Königlich Preuß. Märkische ökonomische Societät zu Potsdam ernannt wurde. Nun wurde von Burgsdorf auch zum Oberforstmeister befördert. Freilich verlor er dadurch, solange sein Vorgänger von Schönfeld lebte, jährlich über 1600 Taler bei gleichzeitig mehr Arbeitsaufkommen. 1796 erschien der zweite Teil seines Forsthandbuches.

Am 14.3.1795 berichtete von Burgsdorf über eine 1783 in Tegel angelegte Akazien-Anlage folgendes:

Im Jahre 1783 machte ich eine Pflanzung von Acacien-Bäumen in den Tegelschen Forst. Die Stämme waren in dem untern Theile der Saamenschule aus Saamen erzogen, der im Frühling 1781 nach meiner Anleitung etc. gesäet worden ist.
Die mittlere Dicke der Stämme ist jetzt (1795) acht Pariser Zoll im Durchmesser, und die Höhe achtzehn bis ein und zwanzig Fuß. Der Boden ist sandig mit Dammerde, mehr trocken als frisch. Sie stehen in der Ebene gegen Norden, und haben Schutz von West, Südwest. Diese Stämme treiben in der Saamenschule im ersten Jahre bis auf vierzehn Fuß hoch. Der Winter 1781-1782 reduzirte sie auf 6 Fuß, und sie wurden im Frühling 1783, wie oben schon gesagt, von sieben bis acht Fuß hoch ausgepflanzet. Seit der Zeit haben sie nichts vom Froste gelitten. Die Rothhirsche haben viel abgeschlagen. Diese sind kurz über der Erde abgehauen worden, und schlugen gut aus. Der starke Wildprettstand hat sie aber nicht aufkommen lassen.
Ich besitze einen Bureau von Acacienholz. Es hat die Härte und Textur des Mahagonyholzes, eine dunkel goldgelbe Farbe und seidenhaften Glanz.

Forstgebäude

Als es 1797 in der Tegeler Oberförsterei spukte, rief von Burgsdorf die Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin zur Klärung des Ereignisses. Die Abbildung zeigt das nach 1806 neu errichtete Forstgebäude.

Im Jahre 1800 verdrängte von Burgsdorf gesundheitliche Warnzeichen wie Schwindelanfälle und „beständiges Sausen“ im Kopf. Arzneimittel wollte er nicht einnehmen wie auch auf berufliche Einschränkungen nicht eingehen. Am 15.1.1801 erlitt er einen Schlaganfall, war linksseitig ganz gelähmt und zunächst bewusstlos. Seinem Hausarzt verdankte er eine Besserung, dass er mit Hilfe eines Stockes wieder laufen konnte. Doch am 14.6.1802 stellte sich Fieber ein. Am 18.6.1802 verstarb Friedrich August Ludwig von Burgsdorf im Alter von nur 55 Jahren.

Bis in die heutige Zeit ist sein Wirken im Tegeler Forst z. B. durch sehr alte kräftige Buchenbestände zu erkennen. Vielleicht gibt es ja auch in den Parks von Charlottenburg und Sanssouci noch Bäume, die einst aus Tegel kamen.

Gerhard Völzmann
Mitglied des Förderkreises für Bildung, Kultur
und internationale Beziehungen Reinickendorf e.V.

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