Wer war Florentine Gebhardt? – Teil 1

„Sollte man den Namen kennen?“ Vielleicht war das Ihr Gedanke beim Lesen der Überschrift. Wenn Ihnen hingegen spontan Kinderbücher mit den Titeln „Das Tanzfest auf der Wiese“ und „Knecht Ruprechts Arbeitsstube“ eingefallen sind, dann liegen Sie durchaus richtig. Florentine Gebhardt war lange Zeit als Lehrerin in Tegel tätig und verfasste zudem als Schriftstellerin viele Zeitungsartikel und Gedichte, schrieb über 100 Kinder- und Jugendbücher sowie Romane. Der erste Teil dieses Beitrages widmet sich der Biographie von Florentine Gebhardt, während der zweite Teil auf die Ortsgeschichte von Tegel eingeht, wie sie von ihr um 1900 gesehen, erlebt und überliefert wurde.

Susanne Marie Luise Florentine Gebhardt erblickte am 18.4.1865 in Crossen/Oder das Licht der Welt. Ihr Vater war Goldschmied. In ihrem Buch „Vater Gottfried und die Seinen“, über das später noch zu berichten sein wird, schrieb Florentine Gebhardt 1938 in einem Nachwort, dass er gegen das „Goldschmiedlernen“ nichts einzuwenden hatte, sein Lebensweg aber nicht der rechte war. Nach der Lehrzeit in Frankfurt/Oder, zwei Soldatenjahren in Berlin und fünf Gesellenjahren in Thüringen und dem Rheinland machte er sich als junger Meister „in einem benachbarten Oderstädtchen“ (Crossen) trotz mehrfacher Konkurrenz selbständig. Er hatte ein Leben lang „mit Brotsorgen“ zu kämpfen.

In Crossen, der Kreisstadt im Regierungsbezirk Frankfurt/Oder mit 6489 Einwohnern (Dez. 1875) besuchte Gebhardt die gehobene städtische Mädchenschule. Später, 1930, beschrieb sie in ihren „Blättern aus dem Lebensbilderbuch“ ausführlich, wie sie in ihrer Geburtsstadt die Sedanfeiern erlebte. Wenn aus diesem Anlass die Kinder Spiele austrugen, dann verdankte sie nach ihren Erinnerungen Preise mehr dem Wohlwollen ihrer Lehrerin als dem eigenen Geschick. „Denn in körperlichen Übungen war ich ungeschickt und viel zu schüchtern …“ Noch ahnte das Kind nicht, dass es Jahre später einmal selbst Turnen unterrichten würde.

Nach dem Besuch der Schule blieb Gebhardt zunächst im Elternhaus. Sie eignete sich Kenntnisse und Fähigkeiten in Haushaltsführung und Handarbeit an. Durch Erteilung von Nachhilfeunterricht und Ausführung von Stickerei-Arbeiten trug sie zum Einkommen der Familie bei. Sie finanzierte damit auch im bescheidenen Rahmen das Theologie-Studium ihres Bruders Erich (geb. 24.10.1861, verst. 22.2.1919). Dieser war v. 11.5.1892 bis zu seinem Tod Pfarrer an der in Vang/Norwegen ganz aus Holz gebauten Stabwerkkirche, die dort abgebrochen und nach Wiederaufbau in Brückenberg/Schlesien 1844 eingeweiht wurde. Ein schlichtes Holzkreuz erinnert noch heute an Erich Gebhardt.

Ausbildung1891 war Florentine Gebhardt für kurze Zeit als Direktrice in Herrnhut tätig. Doch sie  konnte sich hier nicht behaupten. Dies führte sie in ihrem Denken zurück zum Beruf der Lehrerin, den sie bereits in der Vergangenheit gehegt hatte. So zog es Florentine Gebhardt (evangelischen Glaubens)  nach Berlin, ins „Kreuzberg-Viertel“, um in der Stadt ab 4.1.1892 an einem Kursus zur Ausbildung als Industrie-Lehrerin teilzunehmen. Die Gewerbeschule, die sich besuchte, gehörte dem „unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin des Deutschen Reiches und von Preußen“ stehenden Lette-Verein, der sich in Berlin SW, Königgrätzerstr. 90 befand. Die Ausbildung endete am 15.3.1893. Am 21.3.1893 bestätigte ihr Anna Schepeler-Lette als Vorsitzende des Vorstandes des Lette-Vereins die Lehrbefähigung mit „gut“.

Zwischenzeitlich hatte Gebhardt noch v. 4.4.-28.6.1892 „auf Anordnung des Herrn Ministers der geistlichen Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten an der Königlichen Turnlehrer-Bildungsanstalt an einem Kursus zur Ausbildung von Turnlehrerinnen teilgenommen, und zwar

1. an dem theoretischen Unterrichte mit teils recht gutem, teils gutem,
2. an dem praktischen Unterrichte in den Frei- und Ordnungsübungen mit genügendem und in den Geräteübungen mit genügendem,
3. an den Lehrübungen mit genügendem Erfolg. Sie erhielt damit am 28.6.1892 die Bestätigung zur Erteilung von Turnunterricht an Mädchenschulen. Im September 1892 legte sie zudem beim Königlichen Provinzial-Schul-Kollegium eine Prüfung für Handarbeits-Lehrerinnen ab. Als Zensuren erhielt sie hier
1. für eingereichte Probearbeiten: sehr gut,
2. mündliche Prüfung über die Handarbeiten und den Unterricht in denselben: gut,
3. Ausfall der Lehrprobe: gut.

Damit war Florentine Gebhardt zur Erteilung des Unterrichts in den weiblichen Handarbeiten an mittleren und höheren Mädchenschulen befähigt.
Wohl in dieser Zeit sprach sie zum ersten Mal das Wort „Tegel“ aus. Ihre Freundin und ihre Kusine, beide zusammen in Kreuzberg wohnend, schwärmten davon, wie schön es doch in dem Ort sei. Da aber eine Omnibus- und ab Weidendammer Brücke eine anschließende Pferdestraßenbahnfahrt hin und zurück allein 1 Mark nur an Fahrgeld verschlungen hätte, ging der Gedanke an Tegel auch wieder aus dem Sinn. Noch ahnte sie nicht, dass sie einmal rund 27 Jahre dort leben und arbeiten würde.

Vielmehr konnte die angehende Lehrerin zur didaktischen Ausbildung jetzt auf Antrag Unterricht an der gehobenen 9-stufigen Mädchenschule ihrer Geburtsstadt Crossen erteilen. Ihr wurden v. 13.4.-14.7.1893 Unterrichtsstunden in Handarbeit in der II. Klasse und Turnen in den Klassen IV und Va (kombiniert) übertragen. Ihr wurde „Treue und Berufsfreudigkeit“ bescheinigt. In Handarbeit war es „ihr eifriges Bemühen“, den Forderungen des Klassenunterrichts entsprechend alle Schülerinnen gleichmäßig zu führen und sowohl Fertigkeit als Einsicht zu bilden. Ihr Turnunterricht hatte „die nötige Frische.“

In zeitlicher Überschneidung zur Arbeit in Crossen ließ sich Gebhardt noch v. 3.-6.7.1893 in Berlin in einem Kursus für Lehrerinnen zur Ausbildung in Jugendspielen der Mädchen unterrichten.
Einer kurzen Tätigkeit als Industrielehrerin in Görlitz folgte ab 1.1.1894 eine Arbeit als Lehrerin an der Industrieschule der Geschwister Breidenstein in Halberstadt. „Durch Verhältnisse wurden wir gezwungen, ihr diese Stellung zum 1.5.1894 wieder zu kündigen.“ Die „Verhältnisse“ wurden nicht näher genannt. Im Zeugnis wurde ihr aber ein „äußerst bescheidenes Wesen“ bestätigt. Es wurde in ihr eine Lehrerin gesehen, die besonders zum Unterricht in der Methodik und den Handarbeiten befähigt war. Ihre Fähigkeit im Zeichnen wurde sehr anerkannt.
Von Weihnachten 1893 bis Ostern 1894 bereitete eine gewisse Elisabeth Trotschke in Halberstadt ihr Handarbeits-Examen vor. Sie dankte Gebhardt für anschaulichen und gründlichen Unterricht, der es ihr ermöglichte, in so kurzer Zeit das Examen mit „gut“ bestanden zu haben.

Vom 20.-22.9.1894 wurde Florentine Gebhardt dann nach Maßgabe der bestehenden Prüfungsvorschriften vor der Königlichen Prüfungs-Kommission zu Frankfurt/Oder für das Lehramt geprüft. Aufgrund des Ergebnisses erhielt sie am 22.9.1894 die Befähigung für den Unterricht an Volksschulen zuerkannt.

Es folgte eine Beschäftigung als Lehrerin für die Unterstufe (drei Klassen zusammengefasst) in Handarbeit, Turnen, Zeichnen und in Elementarfächern an der höheren Privat-Töchterschule Tiede in Sprottau/Niederschlesien. Von dort aus bewarb sie sich am 10.5.1895 bei „Einer Wohllöblischen städtischen Schuldeputation des Magistrats zu Hannover-Münden“ für eine vakante Stelle einer Turn-, Handarbeits- und Zeichenlehrerin nicht ohne den Hinweis, sich evtl. auch zu verpflichten, etwaigen Haushaltungsunterricht zu übernehmen.

Florentine Gebhardt

Eidesformel Die Eidesformel, wie sie von Florentine Gebhardt 1895 unterschrieben wurde.

Rektor Boese zu Münden lud die Bewerberin aus Sprottau ein, zwei Lehrproben abzuhalten, denen auch der Bürgermeister sowie die meisten Mitglieder der Schulkommission beiwohnten. Das Ergebnis fiel „in jeder Beziehung recht befriedigend“ aus. So entschied der Magistrat der Stadt zu Münden, Gebhardt ab 18.10.1895 als Lehrerin an der dortigen Stadtschule zu ernennen. Den Eid, den sie zu leisten hatte, nahm der Rektor im Beisein der Lehrer Rausch und Rümenapf ab. Die Eidesformel musste von ihr „mit aufgehobenen drei Schwurfingern der rechten Hand körperlich abgeleistet werden.“ Ihr Jahresgehalt lag bei 900 Mark.

Im Juli 1896, es waren Schulferien, besuchte die Junglehrerin ihre Mutter. Gemeinsam begaben sich die Damen zu einer Jugendfreundin von Florentine G. Dort befanden sich gerade als Hausgäste der Bruder der Besuchten, Fritz K., sowie dessen Braut. Im Gespräch fiel wieder der Name Tegel. Fritz K. war nämlich als dritter Lehrer an der dortigen (einzigen) Volksschule angestellt. Seine Braut war die Tochter des Tegeler Amtsvorstehers Brunow. Halb im Scherz, aber auch ernsthaft fragte Florentine Gebhardt, ob nicht in Tegel auch eine Lehrerin gebraucht würde. Fritz K. versprach, den Schwiegervater einmal zu fragen.

Eigentlich glaubte Gebhardt nicht an einen Erfolg, doch sie wünschte ihn sich schon. Dabei spielte allein ihre Mutter eine Rolle, die nicht ins ferne Hannover übersiedeln wollte. Auch ihre Schwester fand sicher im nahen Berlin eher eine Berufsausbildung. Nicht zuletzt versprach sich Gebhardt ein besseres Vorankommen in ihren schriftstellerischen Bestrebungen, wenn sie die Nähe der Reichshauptstadt nutzen konnte.

Ihr Traum sollte Wahrheit werden. Ende Oktober 1896 wurde sie von Tegel aus dorthin berufen, nachdem die Königliche Regierung, Abt. für Kirchen- und Schulwesen in Hildesheim sich am 15.10. mit der Entlassung der Lehrerin aus dem dortigen Volksschuldienst zum 1.1.1897 einverstanden erklärte. Allerdings erhielt die in Tegel geschaffene erste Lehrerinnenstelle eine ganz junge Kollegin, weil Gebhardt erst ab Januar 1897 wechseln konnte.

Tegel Anzeiger

Täglicher Anzeiger für die Gemeinde Hermsdorf v. 13.2.1897

Die sechsklassige Tegeler Volksschule befand sich in der Schöneberger Str. 4 (heutiger Medebacher Weg). Seit 1892 wurde sie vom Ersten oder Hauptlehrer Steller geleitet. Das zweigeschossige Gebäude war gerade erst im Vorjahr um ein Geschoss aufgestockt worden. Es gab noch gemischte Klassen. Die Mädchen erhielten Handarbeitsunterricht durch eine ältere Dame, die eine kleine Familienschule leitete. Erst später übernahm Gebhardt von ihr diesen Unterricht. 80 Kinder mussten im Nähen oder gar in den Strickanfängen unterwiesen werden! Klassenunterricht in Handarbeit war zwar, als die neue Lehrerin nach Tegel versetzt wurde, bereits vorgeschrieben, aber noch nicht eingeführt.  Gebhardt hatte eine 3. Klasse der Mädchenabteilung, aber auch Jungen und gemischte Klassen zu unterrichten. „Es war gut, daß ich schon bei der Mündener Jugend den Bakel (Schulmeisterstock) zu schwingen gelernt hatte“, so die spätere Äußerung. Über den Hauptlehrer, der ab 17.7.1899 durch den Rektor Maertens abgelöst wurde, schrieb Florentine Gebhardt 1928 in ihren Erinnerungen: „Mein Vorgesetzter war … ein biederer, wohlgesinnter, sehr arbeitseifriger, aber etwas originaler Mann, der nur sehr nervös war und unter der damals noch üblichen geistlichen Ortsschulinspektion (Pastor L. Suttkus) zu leiden hatte“.

Mit dem Kollegium war Gebhardt zufrieden. Es gab „im ganzen“ ein gutes Einvernehmen, das sich z. B. auch in gemeinsamen Spaziergängen ausdrückte. Im Januar, als der Tegeler See mit einer dicken Eisdecke überzogen war, unternahm man gar zusammen eine Partie bis nach Spandau. Da „die Neue“ keine Schlittschuhläuferin war, schob sie ein jüngerer Kollege im Stuhlschlitten dorthin. Ein anderer wurde in diesen Tagen gerade 25 Jahre alt.

Schule Treskowstr

Das bereits erweiterte Schulgebäude in der Treskowstr. im Jahre 1908.

Lehrer 1922

Die Lehrer und Lehrerinnen der 2. Gem.-Schule im Jahre 1922

Im ersten Quartal des Jahres 1897 beging die Tegeler Volksschule eine große öffentliche Feier, wenngleich nicht einmal eine Aula zur Verfügung stand. Als Ersatz wurden zwei durch eine Tür verbundene Klassenräume genutzt. Lehrer und Schüler, die Reden hielten, mussten sich am Türrahmen hinstellen. Abends war dann die öffentliche Feier im Restaurant von Ewest (später Hamuseck in der Hauptstr. (heute Alt-Tegel). Betroffen musste Gebhardt feststellen, dass der Besuch recht dürftig war, obwohl die Knaben ein Matzdorffsches Stück aufführten und die Mädchen ein von ihr verfasstes. Letzteres wurde natürlich zuvor vom Ortspfarrer und Ortsschulinspektor gnädig begutachtet und zugelassen.

Schule TegelErgänzend zu den Erinnerungen von Florentine Gebhardt über ihr erstes Jahr an der Tegeler Schule sei bemerkt, dass am 12.8.1902 in der Treskowstr. 26-31 ein neues Schulgebäude mit 22 Klassenräumen, Aula, Schuldienerwohnung und Turnhalle (auf dem Hof) eingeweiht wurde. 1904 und 1906 erfolgten Erweiterungen. Die nun 2 Schulen waren die I. evangelische (Knaben-) Schule und die II. evangelische (Mädchen-) Schule. Gebhardt unterrichtete an der Mädchenschule.

Während 1908 an der II. Schule bereits 12 Lehrer und 10 Lehrerinnen 1008 Mädchen unterrichteten, waren es 1914 13 Lehrer, 16 Lehrerinnen und 1212 Mädchen.

Weitere Einzelheiten, die Florentine Gebhardt in einem Zeitungsartikel aus dem Jahre 1928 rückblickend auf ihr erstes Jahr in Tegel berichtete, stellen zwar auch einen Teil ihrer Biographie dar, werden aber im zweiten Teil dieses Beitrages beschrieben. Sie betreffen mehr die Geschichte des Ortes.

1924 schied Gebhardt aus dem Schuldienst aus. Zur einstigen Tätigkeit als Lehrerin abschließend noch aus den genannten Erinnerungen folgende Sätze:
Heute sind von all jenen Kollegen nur noch drei im Dienst: Herr Organist und jetzt Konrektor Hermann Schüler (schied am 30.9.1928 aus), Herr Franz Schmiedchen und der heutige Rektor der Katholischen Schule zu Tegel (M. Jaehnert), außerdem ein in Reinickendorf tätiger Rektor, der bald nach meinem Amtsantritt aus Tegel fort ging. Meine damalige Kollegin hat bald geheiratet.
Vater Gottfried und die SeinenMit dem Beginn des Ruhestandes verfügte sie sie nun über die Zeit, die sie sich mit Sicherheit gewünscht hatte, um sich verstärkt der Schriftstellerei widmen zu können. Auch während ihrer Berufstätigkeit griff sie ja bereits „zur Feder“. Sie schrieb Gedichte, Erzählungen für die Jugend, ein Kriegsgebet (!), auch einen Beitrag in einem Buch über die Provinz Brandenburg. Doch die Vielzahl ihrer Werke an Romanen, Novellen, Sagen und Mären „für die reifere Jugend“ bis hin zu Sachbüchern über das Sticken verfasste sie nach 1924. Teilweise gab sie statt ihres Namens nur ein Pseudonym an, z. B. Rolf, A. oder Hardt, Tino. Die Aufstellung der von Florentine Gebhardt geschriebenen Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ihre Werke sind teilweise in der „Liste der von den Nationalsozialisten verbotenen Schriften unerwünschten Schrifttums“ enthalten. Auch nach dem zweiten Weltkrieg finden sich in einer Liste auszusondernder Literatur der „Deutschen Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone“ Buchtitel von Gebhardt.

Zwei Bücher sollen im Rahmen dieses Beitrages näher Erwähnung finden. Zum einen ist es „Die Provinz Brandenburg in Wort und Bild“. In dem 1900 vom Pestalozzi-Verein der Provinz Brandenburg herausgegebenen und 1998 vom Weltbild Verlag als Faksimile-Ausgabe erschienenen Buch hat u. a. Gebhardt unter dem Titel „Ein ehemaliges Gelehrtenheim“ einen knapp 5-seitigen Beitrag über Tegel und die Humboldts verfasst. Hierauf wird im Teil 2 der Abhandlung näher eingegangen.

Das zweite Buch ist das 1938 unter dem Titel „Vater Gottfried und die Seinen“ veröffentlichte Werk. Es erscheint insofern interessant, weil die Schriftstellerin hier in der Form eines Romans die Lebensgeschichten ihrer Altvorderen aufgeschrieben hat. Mit Vater Gottfried ist Gottfried Gebhardt (geb. 1763, verst. April 1843), Urgroßvater der Florentine Gebhardt, gemeint. Die Gebhardts waren Anfang des 18. Jahrhunderts, zur Zeit  des Großen Kurfürsten, aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Brandenburg eingewandert. Sie wurden in Frankfurt/Oder und dem Lebuser Kreis beheimatet. Ein Gebhardt wurde sogar Hoffiskal in Frankfurt, der Vater von Gottfried hingegen Dreihüfner, Erbkrüger, Bauer und Gerichtsschulze in Kliestow. Gottfried Gebhardt kaufte und bewirtschaftete das Frankfurter Vorwerk, während einer seiner Brüder, Friedrich, in der Stadt „auf der Nuhne“ sesshaft wurde.

Subscribenten

Friedrich Gebhardt, Bruder des Gottfried, Käufer der „Müllerschen Nuhne“. Abbildung aus einem vorausbestellten, 1829 erschienenen Buch.

Ausführlich schildert Florentine Gebhardt in ihrem Buch, teils in patriotischen Sätzen,  wie ihre Vorfahren ganz direkt die Freiheitskriege gegen Napoleon, den Durchmarsch und die Einquartierungen der Franzosen, erlebten. Einer der Söhne Gottfrieds, Ferdinand, zog es mit 18 Jahren freiwillig nach Breslau zum Heer des Königs. Er erlebte die Schlachten bei Lützow und Bautzen, kämpfte auch und wurde verwundet in Frankreich. 1835 starb Anne-Sophie, genannt Fieken, die Urgroßmutter von Florentine Gebhardt. Deren Mann, „Vater Gottfried“, starb 1843 auf tragische Art durch den Tritt von Pferdehufen. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, auf weitere Lebensläufe von Personen aus der Dynastie der Gebhardt einzugehen. Erwähnt sei jedoch aus dem Nachwort des Buches der Florentine Gebhardt die vielleicht schon resignierende Feststellung, dass vom Zweig, der aus dem Stammes des Gottfried Gebhardt erwuchs, nur noch drei alternde Töchter im ehelosen Stande leben, die den Namen des Geschlechts tragen. Die Zweige Friedrichs und Christians (Brüder des Gottfried) würden hingegen (1938) noch grünen.
Zu bemerken ist zudem, dass Florentine Gebhardt nach Beendigung ihrer Lehrerinnen-Tätigkeit im Laufe des Jahres 1927 Tegel als Wohnort aufgab. Sie zog zunächst nach Kreuzberg. Hier wohnte sie mit ihrer (jüngeren) Schwester zusammen, die ebenfalls schriftstellerisch tätig war. Beide zogen später noch nach Steglitz um. Florentine Gebhardt starb wohl am 10.7.1941. Das Stadtarchiv in Frankfurt/Oder besitzt Unterlagen aus ihrem Nachlass, zu denen auch Fotos gehören.

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